Dienstag, 12. Februar 2013

Ni no Kuni: Der Fluch der weißen Königin Review




Freunde! Über 70 sagenhafte Stunden in lediglich 11 Tagen sprechen wohl Bände darüber, wie sehr mich Ni no Kuni in seinen Bann gezogen hat und somit das schaffte, was in dieser Konsolengeneration lediglich Final Fantasy XIII vermochte. In dieser Aussage spiegelt sich meine Vorliebe für JRPGs schon heraus und ja, ich liebe den japanischen Spielemarkt und würde ihn jederzeit jedem anderen westlichen Franchise vorziehen, denn primär die Japaner schaffen es, entweder die abgedrehtesten oder die liebevollsten und detailverliebtesten Geschichten zu erzählen, völlig unabhängig davon, ob wir nun über Spiele oder auch Manga- und Animeserien sprechen. Und Ni no Kuni gliedert sich wunderbar in dieses Schema ein, nimmt sich von sämtlichen japanischen Qualitäten das Beste und fügt es zu einem schieren, bunten Meisterwerk zusammen, das ich auf der PlayStation 3 so noch nicht zu Gesicht bekommen habe.

Die Geschichte, an der wir teilnehmen dürfen, beginnt in der idyllischen Kleinstadt Motorville und dreht sich um den kleinen Jungen Oliver, der zusammen mit seiner Mutter lebt und ein zufriedenes Leben führt. Wir begleiten ihn durch seinen Alltag, wie er früh morgens in Miss Leila’s Gemischtwarenlädchen Einkäufe abholt, wie seine Mutter ihm Frühstück macht und ihn zur Schule schickt, wo er auf dem Weg mit seinem besten Freund Phil über ihrer beider größter Traum philosophiert, das tollste Auto aller Zeiten zu basteln. Doch es dauert nicht allzu lange, bis der idyllische, friedliche Alltag einem Drama weichen muss, das typisch für die Ghibli-Filme ist, deren Studio die wunderbaren Animationen zu diesem Spiel beigesteuert haben. Oliver, auf grausame Art aus seiner heilen Welt gerissen, zieht sich völlig zurück und kämpft mit seiner Trauer, die ihn immer wieder übermannt, wie auch an jenem denkwürdigen Tag, an dem sein Leben eine weitere Wendung vollführt und sich in ein Abenteuer verwandelt. Die Tränen eines Kindes haben schon in vielen Geschichten magische Wirkung geborgen und so vermögen auch die Tränen von Oliver ein Kunststück zu vollbringen, in dem sie sein Lieblingskuscheltier Mr. Drippy, bzw. Tröpfchen zu Deutsch, zum Leben erwecken. Aus seinem Gefängnis entlassen verschwendet der Lord high lord of the fairies keinen Augenblick um Oliver aus seinem Elend herauszuziehen und in ihm die Hoffnung aufkeimen zu lassen, dass das Unglück vielleicht noch keine Endgültigkeit besitzt und rückgängig zu machen sei. Alles, was dazu benötigt werde, sei ein bisschen Magie. Nach einer schnellen Suche nach einem Zauberstab und einem treuen Zauberbuch, dem Wizard’s Companion, steht der Weg ins Abenteuer nun buchstäblich offen: Denn mit dem ersten Zauber, den Oliver vollführt, gelangen wir an seiner Seite in die geheimnis- und eindrucksvolle Welt von Mr. Drippy. Doch so schön diese Welt mit seinem endlosen Grün, den tiefen Wäldern und den wunderschönen Türmen der Schlossstadt Ding Dong Dell auch auf den ersten Blick erscheinen mag, so trügt der Schein auch. Gefährliche Monster streifen durch die Lande und viele der Menschen sind nur noch ein Schatten ihrer selbst seit ihnen ein Stück ihres Herzens gestohlen wurde. Und hinter allem scheint der böse Djinn Shadar zu stecken, der in den Geistern und Mündern der Bewohner dieser Welt eine ähnliche Furcht auslöst, wie wir es von Lord Voldemort aus Harry Potter kennen. Aber ausgerüstet mit unseren magischen Fähigkeiten, unserem reinen Herzen und dem vorlauten Feen-Lord beschließen wir den langen, beschwerlichen Kampf aufzunehmen und uns auf die Suche nach Shadar und vor allem auch nach Antworten zu machen.

Ni no Kuni ist grob betrachtet das, was viele bei Final Fantasy XIII vermisst haben: Es ist ein klassisches JRPG. Eine Gesundheitsleiste, eine Magieleiste, rundenbasierte Kämpfe, ein Party, die sich mit dem Voranschreiten in der Story füllt, ein simples Levelsystem mit Erfahrungpunkten nach jedem Kampf, eine beinahe unüberblickbare Vielfalt von Ausrüstungsgegenständen, eine Weltkarte, Dungeons, lebhafte Städte mit verschiedenen Shops, Auftraggebern, einem Inn um sich auszuruhen und jeder Ort ein völliges, optisches Gegenstück zu der vorigen. Doch so klassisch dieses Spiel auch aufgebaut sein worden mag, so viel Innovation bringt es auch mit sich, in dem es andere Elemente mit eingliedert, die sich womöglich etwas befremdlich anhören mögen, doch sich lückenlos in das Mosaik des Gesamtbildes einfügen. Denn während den Kern der eigenen Party zum Beispiel im Grunde genommen die drei Hauptfiguren Oliver, Esther und Swaine darstellen, so werden die meisten Kämpfe doch nicht mit ihnen bestritten sondern mit den sogenannten Familiars, bzw. Vertrauten. Viele mögen diesen Vergleich sicherlich nicht gerne hören, aber am einfachsten ist das Prinzip sicherlich mit Pokémon zu vergleichen. Die Welt tummelt sich mit rund 300 verschiedenen Monstern und ab einem bestimmten Punkt im Spiel ist es euch möglich, diese zu fangen und eure Party damit zu erweitern. Jeder der maximal drei Charaktere eurer Party hat drei freie Plätze für Vertraute und kann im Kampf zwischen diesen problemlos mit ein paar schnellen Knopfdrücken wechseln und ihre jeweiligen Stärken oder Fähigkeiten entsprechend ausnutzen. Nach jedem Kampf erhält sowohl jeder Charakter, als auch jeder Vertraute dieselbe Anzahl an Erfahrungspunkten, ob am Kampf beteiligt gewesen oder nicht und mit jedem Levelanstieg steigen auch die Standardwerte von Angriff, Verteidigung, Genauigkeit, etc. Erreichen eure Vertraute ein bestimmtes Level, so ist es ihnen möglich sich weiterzuentwickeln. Jede Kreatur hat in der Regel vier verschiedene Formen. Die zweite ist relativ schnell zwischen Level 8 und 16 erreicht, während man bei der dritten, bzw. vierten Entwicklung nach Level 30 etwas arbeiten muss. Anders als bei Pokémon, zumindest anders als bei den meisten Pokémon, geschieht die Entwicklung allerdings nicht von alleine, sondern erfordert ein bestimmtes Item, das dem entsprechenden Typ des Vertrauten entsprechen muss. Denken wir nun an unsere Kindertage zurück und erinnern uns an das gute Evoli, können wir dieses wunderbar auf die zweite Entwicklungsstufe eines Vertrauten übertragen, denn sobald hier die Entwicklung zur Verfügung steht, hat man die Wahl zwischen einer von zwei verschiedenen Formen, die sich in Werten und Fähigkeiten unterscheiden und selbstverständlich auch im Erscheinungsbild. Einige der finalen Formen treten später im Spielverlauf auch in natürlicher Wildbahn auf, andere sind nur durch eben diese Entwicklung zu ergattern.

Doch während die Vertrauten den Löwenanteil der Kämpfe übernehmen, so haben auch ihre Herren gewisse Funktionen, die einem zugute kommen, obgleich zumindest Esther und Swaine im Kampf eher wertlos sind. Oliver hat natürlich die volle Palette seiner Zauber zur Verfügung, die Standards wie Feuer, Eis, Heilung, Verstummung und so weiter beinhalten, später aber auch mächtigere Zauber zu bieten hat wie jene von Bossgegnern übernommene oder sogar das Herbeirufen von Bestias. Esther ist in der Regel der schwächste Charakter in eurer Party und neigt in harten Kämpfen als Erste das Zeitliche zu segnen – kein Wunder, so ist sie schließlich auch mit einer Harfe bewaffnet. Genau diese ermöglicht es ihr aber auch als einzige Vertraute zu bezirzen und für euch zu gewinnen. Im Kampf kann es passieren, wenn auch eher selten, vor allem bei Kreaturen der höchsten Entwicklungsstufe, dass ein Gegner nach dem Besiegtwerden Herzen verströmt und euch verliebt zuwinkt. Wenn ihr nun schnell genug handelt, bevor der Timer abläuft oder bevor einer eurer Teamkameraden den Gnadenstoß versetzt, dann könnt ihr mit einer simplen Melodie auf Esthers Harfe diesen Vertrauten einfangen, als würdet ihr einen Pokéball werfen – und genau wie dort, könnt ihr der Kreatur dann auch einen Spitznamen geben und wenn eure Party bereits ausgelastet ist, wird sie zu Professor Eich… äh, in einen entsprechenden Hort geschickt, der 400 freie Plätze zu bieten hat. Darüber hinaus lernt sie auch Songs, die euch heilen können oder dieselbe Wirkung zeigen wie Effektzauber, da es aber meist einfacher ist einfach nur stur anzugreifen und ihre Angriffskraft gegen Null geht, ist sie über ihre Fangqualität hin eher ein Klotz am Bein. Swaine stellt die klassische Klasse des Diebes dar und kann Gegnern während des Kampfes Items stehlen mithilfe seiner besonderen Pistole. Davon abgesehen ist aber auch er ein enttäuschend schwacher Kämpfer, der erst sehr spät im Spiel mit hohem Level und spezieller Waffe eine kleine Rolle in einem Kampf spielen kann.

Doch Kämpfen ist in Ni no Kuni ja auch nicht alles, denn das Spiel bietet auch eine breite Palette an Nebenaufgaben. Zum einen haben wir da natürlich die Kopfgeldjagden, wo es gilt einen bestimmten, etwas stärkeren Gegner ausfindig und unschädlich zu machen. Dann haben wir aber auch eine breite Palette an Aufgaben, die euch die verschiedenen Stadtbewohner auftragen und die sich schon mehr differenzieren. Die häufigste Aufgabe, die euch hier gestellt wird, ist das Heilen der gebrochenen Herzen. Ihr werdet häufig auf Leute treffen, denen ein Teil ihres Herzens gestohlen wurde, sodass es ihnen beispielsweise an Mut, Zurückhaltung, Liebe oder Güte mangelt. Eure Aufgabe ist es dann durch die verschiedenen Städte zu streifen und Leute zu suchen, die diese Eigenschaften im Überfluss haben und euch gewillt sind, etwas davon abzugeben, damit ihr es zu der betroffenen Person bringen könnt um ihr Herz zu heilen. Hinter diesen Aufgaben verbirgt sich keine wirkliche Herausforderung, da die betroffenen Leute sich lediglich in den fünf großen Städten aufhalten können und ein Blick auf die Karte sie bereits offenbart – einzig viel Laufarbeit steht euch hier vorbei. Dann gibt es aber auch bestimmte, wiederkehrende Nebenfiguren, die euch an jedem Ort eine neue Aufgabe stellen. Zum einen haben wir da ein Pärchen, das durch die Welt zieht und einen Laden eröffnen möchte und jedes Mal wenn ihr sie trefft, ist eines ihrer Herzen auf eine andere Weise gebrochen. Lustig ist besonders, wie sie immer davon sprechen, dass sie ihr Geld hart zusammengespart haben für die Eröffnung ihres Ladens und euch dann immer eine gewaltige Summe als Dank auszahlen. Deutlich interessanter wird es dann schon mit dem fülligen, noblen Mann im Anzug, den ihr auch andauernd wiedertrefft und der jedes Mal aufs Neue auf seinen Reisen sein Tagebuch verloren hat. Das bringt ihm zum einen neckische Kommentare von Mr. Drippy ein, zum anderen stellt es euch vor eine Suchaufgabe. Ihr kriegt ein paar Hinweise wie eine Himmelsrichtung und beispielsweise den Fingerzeig, dass er es auf einer Insel mit zwei Bäumen verloren haben muss. Eure Aufgabe besteht dann darin, einen entsprechenden Ort auf der Weltkarte zu finden und dort das Tagebuch ausfindig zu machen, das euch mit einem Ausrufezeichen angezeigt wird, solltet ihr auf dem richtigen Fleck stehen. Ein dritter immer wiederkehrender und definitiv der unsympathischste Auftraggeber von allen ist Derwin, der Vertrautenforscher. Der gute lauert euch ebenfalls in nahezu jeder Stadt auf und verlangt von euch, ihm bestimmte Vertraute zu bringen, die er untersuchen kann. Da das Fangen dieser eher Glücks- und Zufallssache ist, sind das doch die anspruchsvollsten Aufgaben, mit denen ihr es zu tun bekommt, vor allem wenn es später um entwickelte Formen geht. Zu sehen, wie dieselben Figuren immer wieder ins selbe Schlamassel geraten, kann einem schon einen Augendreher entlocken, aber irgendwo erfreut es einen doch auch an einem neuen unbekannten Ort alte Bekannte wiederzutreffen.

Neben den Side Quests, die euch Belohnungen einbringen, könnt ihr eure Zeit aber auch mit anderen Beschäftigungen verbringen. Beispielsweise hätten wir da die einhundert unsichtbaren Schatztruhen, die euch erst später mit einem entsprechenden Zauber auf den verschiedenen Kontinenten und Inseln offenbart werden. Dann natürlich das Fangen der verschiedenen Monster, aber auch das Erstellen von Gegenständen in eurem Alchemietopf. Die Welt von Ni no Kuni und insbesondere die Taschen eurer Gegner bersten geradezu vor verschiedenen Items, die in den verschiedensten Kombinationen die verschiedensten neuen Items ergeben, seien es heilende Sandwiches oder Tränke, stärkere Rüstungen, Waffen oder Accessoires. Wie es aber auch typisch für JRPGs ist, Grüße an Final Fantasy XIII und Demon’s Souls, gibt es sehr seltene Items, die nur in bestimmten Dungeons, an bestimmten Stellen von ganz bestimmten Gegnern unter einer sehr bestimmten Drop-Rate fallen gelassen werden oder gestohlen werden können. Einige der 130 Rezepte, genau wie eine Handvoll Monster, die beispielsweise nur ein einziges Mal versteckt auf der Weltkarte vorkommen, können euch also ganz schön zum Suchen bringen. Zu guter Letzt bleiben dann noch das Entdecken versteckter Orte und die Kampfliga. Versteckte Orte sind beispielsweise kleine Wälder, in denen kaum zivilisierte Waldmenschen leben und die selten mehr bieten als ein paar Truhen. Die Herausforderung dabei sie zu finden ist der Umstand, dass sie von der Weltkarte aus nicht von anderen Wäldern zu unterscheiden sind. Anders als bei Höhlen, wo einem der Eingang geradezu ins Auge springt, muss man bei den versteckten Wäldern schon genau in den Wald hineinlaufen und die Mitte treffen um das Versteck zu finden. Manchmal leiten euch einige Nebenaufgaben in die richtige Richtung, andere müsst ihr wiederum völlig allein finden. Andererseits, wer ist im Zeitalter des Internets heutzutage schon noch alleine, oder? Ab einem gewissen Punkt in der Story ist es euch gestattet an einem Turnier teilzunehmen, indem ihr in 6 Cups gegen andere Partys mit Vertrauten antreten könnt. Unter anderem trefft ihr auch hier wieder erfreulicherweise auf alte Bekannte, doch vor allem in den höchsten Cups A und S freut ihr euch nicht unbedingt jedes Mal über das Wiedersehen. Das war die letzte Aufgabe, die ich zu erledigen hatte und es war das einzige Mal, wo ich in diesem Spiel wirklich zu kämpfen hatte und mich tatsächlich aufregen musste.
Abschließend möchte ich dann in etwas umschweifenderer Form zum Fazit kommend und alles mit einbringen, dass ich noch nicht erwähnt habe. Die Geschichte um Oliver ist ein sehr spannendes Kapitel für sich, das voll und ganz im Zeichen des Ghibli-Studios steht. Wie auch ihre Filme, so spiegelt sich die Geschichte und der Stil des Spiels in jedem Detail wieder. Zwar ist alles sehr bunt gehalten und erscheint einem optisch doch sehr niedlich und vor allem auch kindlich, nicht zuletzt wegen dem sehr jungen Oliver in der zentralen Rolle, aber hinter dem Ganzen steckt auch, wie man es von Ghibli kennt, eine durchaus erwachsene und reife Story, die das Gesamtbild schon gar nicht mehr kindlich oder niedlich erscheinen lässt, sondern einfach nur liebevoll und sympathisch – und wann konnte man das das letzte Mal guten Gewissens von einem Spiel behaupten? Man merkt jedem noch so kleinen, versteckten Ort, jedem Quadratmeter der verschiedenen Städte und jeder Nebenaufgabe das Herzblut an, dass die Entwickler in dieses Spiel gesteckt haben. Wie ich persönlich es wirklich nur noch aus schon weit zurückliegenden Spielen wie Final Fantasy X und tiefer, Kingdom Hearts oder Tombi kenne, so hat man sich hier nicht nur stur auf eine Story konzentriert, sondern sich wirklich mit allem viel Mühe gegeben, eine Vielzahl von Orten und Personen geschaffen, die völlig irrelevant für die Story sind, dem ganzen Spiel aber eine völlig  neue Dimension verleihen. Auch ganz großartig empfand ich, wie belebt die Städte tatsächlich waren und wie viele NPCs auf den Straßen unterwegs waren, alle ansprechbar, vor allem aber auch NPCs, die auf Balkonen standen oder über Brücken liefen, die sich über die Straße erstreckten und einem selbst nicht zugänglich waren. Als wollte man dem Spieler zeigen, dass diese Stadt wirklich voller Leben steckte und dieses Leben nicht nur auf den paar Straßen stattfand, die man begehen konnte, sondern auch hinter den Kulissen fortlief. Die Frau, die dort oben den Eimer schleppte, würde gleich dort aus dem Bild verschwinden, wahrscheinlich eine Treppe hinunterlaufen, nach Hause kommen und die Wäsche machen, bevor ihre Kinder vom Spielen zurückkamen und sich hungrig an den Tisch setzten. Und während man sich völlig automatisch noch dieses Bild ausmalte, liefen auch schon zwei verspielte Kinder lachend an einem vorbei. Diese Spielwelt verleiht einem einfach ein ganz großartiges Gefühl des Einlebens, das es nicht zuletzt auch so schwer machte sich davon zu trennen.
Auch die Möglichkeiten, die man im Laufe der Geschichte bekommt, sprechen Bände über die Kreativität und die Liebe der Entwickler zu diesem Spiel. So hat Oliver beispielsweise Zauber, die Brücken bauen können, die ihn über giftige Tümpel schweben lassen, die verborgene Geschichten aufdecken und auch nach Abschließen der Story immer noch neue Erkenntnisse über die Welt, ihre Leute und ihre Geschichte darbieten, die dem ganzen zusätzlich wieder eine weitere Dimension verleiht und das Spiel nicht nur im hier und jetzt spielen lässt, sondern ihm Ebenen verleiht. Genau wie die Frau mit dem Eimer, gibt es in dieser Welt so viel, das geschieht und schon geschehen ist, dass wir nicht explizit mitbekommen, das wir vielleicht nur irgendwie am Rand erfahren und was unsere Fantasie dann zu den tollsten Bildern ausmalt.

Und apropos tolle Bilder. Neben der cell-shading Grafik, die sehr stark an jene der Naruto Spiele erinnert und meiner Meinung nach definitiv die beste Umsetzung eines Animes sein kann, gibt es natürlich auch noch die voll animierten Cutscenes, die ohne Übertreibung die mit Abstand beeindruckendsten Bilder sind, die ich je in einem Videospiel sehen durfte. Auch wenn ich vielleicht nicht der größte Ghibli-Fan bin, so begeistert mich ihre Animation jedes Mal aufs Neue und so auch wieder hier. Dieses Studio hat eine ganz eigene Art Umgebungen, Figuren und sogar Bewegungen darzustellen und das sieht man hier wieder in voller Blüte. Schade nur, dass die Verteilung etwas unregelmäßig ist und schon viel Pulver am Anfang verschießt, wo natürlich die ganzen Szenen für entsprechende Trailer herstammen. Kaum ist man richtig im Spiel drin, werden die richtigen Cutscenes bereits kürzer und seltener, ab der Hälfte bis zum Ende vermisst man sie fast völlig. Aber dafür freut man sich nur umso mehr, wenn man wieder eine zu Gesicht bekommt.

Ein einziges Manko, das ich dem Spiel eventuell vorhalten müsste, wäre die Schwierigkeit. Es ist wirklich SEHR einfach. Und ich spreche nicht von den Kämpfen, hinsichtlich derer habe ich bewusst die einfache Schwierigkeit ausgewählt, da es mir in einem Rollenspiel nicht um die Herausforderung im Kampf geht, sondern mehr um die Aufgaben und die Story, sowie die Figuren. Aber jedes Mal wenn man einen Menschen mit gebrochenem Herzen trifft, muss man nicht anhand seines Verhaltens herausfinden, welcher Teil des Herzens fehlt, man bekommt es sofort von Mr. Drippy vorgekaut, als wäre man total verblödet und könnte nicht die einfachsten Zeichen lesen. Genauso wie er in Bosskämpfen immer unterbrechend dazwischenspringt und einen Schwachpunkt hervorhebt oder eine Attacke ankündigt, die ohnehin völlig offensichtlich waren. Auch wenn man etwas zu suchen hat in einer Stadt, wo man durch Deuten der Hinweise vielleicht selber draufgekommen wäre, so zeigt einem Spiel die Lösung direkt mit einem fetten Stern auf der Karte an. Diese Funktion ist zumindest ausstellbar, aber es ist halt immer eine Sache, so eine Funktion gar nicht erst zu haben oder die Wahl zu haben, ob man sie nutzen möchte. Denn wenn man die Wahl hat… nun ja, ich will es mal so ausdrücken: Der Mensch ist von Haus aus faul. Ich besonders.

Darüber hinaus habe ich das Spiel aber in jedem noch so kleinen Detail von Anfang bis Ende innig geliebt, das Treffen neuer wie alter Charaktere freudig erwartet, die simple und verständliche Story gespannt verfolgt (Wink  mit dem Zaunpfahl an Final Fantasy) und jeden neuen Zauber und jede neue Funktion genossen, vor allem in Hinsicht auf die Fortbewegung, wo wir das klassische Schiff haben, mit dem es über die Weltmeere geht, aber auch später unseren wundervollen Drachen, mit dem das Reisen fast noch mehr Spaß macht als mit dem simplen Reisezauber, der uns innerhalb von Sekunden von Punkt A nach Punkt B bringt. Aber auch darüber hinaus gibt es noch ein paar nette Gimmicks, die das Spiel für einen bereithält und auf die man mit ein bisschen Arbeit zumindest trifft, wenn man die Platin angeht, was ich nur jedem empfehlen kann. Es ist wirklich kein stures Farmen dabei, da man die Zeit ohnehin zum Aufleveln benötigt, wenn man eine Chance im A- und S-Cup der Kampfliga haben möchte und aufwändigere Nebenmissionen, die erst nach Abschließen der Story freigeschaltet werden, bieten einem noch mal viel tieferen Einblick in eine wunderschön geschriebene Geschichte.

Für mich persönlich das beste Rollenspiel dieser Generation, Final Fantasy, Fallout und Skyrim mit einbezogen, sofern man J und West RPGs überhaupt wirklich miteinander vergleichen kann. Das Spiel hat keine Macken, es wird auch nicht langweilig, da man bis zur Platin wirklich durchgängig etwas zu tun hat, das anspruchsvoller als stures Farmen ist und einem immer wieder etwas Neues bietet, bei dem man am liebsten einfach nur schmachten würde. Ich war besonders davon begeistert, wie sehr es mich an meine drei Lieblingsspiele erinnert und diese ineinander vereint. Die Story, ähnlich jener von Kingdom Hearts, die verschiedenen Truhen die erst im späteren Spielverlauf geöffnet werden konnten auch wie in Kingdom Hearts aber auch wie in Tombi, woran ich auch sehr stark erinnert wurde, als ich sah wie man mit der Story einige Orte gerettet und damit verändert hat, und Pokémon natürlich aus den genannten, offensichtlichen Gründen. Ich kann nicht sagen, dass das je einem Spiel gelungen wäre und auch, wenn es für mich noch nicht ganz an ein Kingdom Hearts heran reicht und somit nicht die volle Punktzahl bekommen kann, so ist doch eine 9/10 die beste Wertung für ein Spiel, das ich in dieser Generation überhaupt vergeben würde.
Danke, dass ihr mir bei meiner Liebeserklärung an dieses Spiel zugehört habt und ich hoffe, ich konnte den ein oder anderen nochmal endgültig zum Kauf dieses Meisterwerks bewegen.